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Unweit der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá haben Bergleute ein modernes Weltwunder erschaffen: Eine unterirdische Kathedrale aus Salzstein, als Herzstück eines ehemaligen Bergwerkes. Der Weg hindurch grenzt auch für nicht-religiöse Menschen an ein spirituelles Erlebnis.

Die Geschichten, die das Leben selbst schreibt, sind doch immer irgendwie die Bewegendsten, so auch die Legende um die Entstehung der Salzkathedrale von Zipaquirá: der Sohn eines Bergmannes lag im Sterben, und so versprach er Gott, ihm zu Ehren einen Tempel zu errichten, sollte sein Kind überleben. Die Gebete des Kumpel wurden erhört, und so kann heutzutage jeder das Relikt seiner Dankbarkeit betreten – eine fantastische spirituelle Kurzreise, die ich jedem Kolumbien-Urlauber nur empfehlen kann.

Man betritt nicht nur eine einfache Mine, sondern ein Tor zu einer anderen Welt, wenn man sich bis zu 200 Meter unter die Erde wagt. Obwohl die Mine von Zipaquirá von vielen hundert Touristen täglich besucht wird, herrscht innerhalb der Steinmauern eine andächtige Ruhe, der Lärm und die Hektik der Außenwelt werden sofort ausgeblendet. Auf einem Kreuzweg durchläuft man 14 verschiedene Stationen, bevor man zum Highlight gelangt, der Kathedrale, die jeden Sonntag  bis zu 3000 Gläubigen als Kirche für ihre Messe dient.

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Ein fast geisterhaftes Licht erleuchtet den Weg und die verschiedenen Stationen, man kommt sich ein wenig vor wie in einer LSD-Fantasie, es riecht nach dem Salz, das früher hier abgebaut wurde, und überall begegnen einem die riesigen, in den Salzstein gehauenene Kreuze, daneben Figuren von Engeln und bildliche Nachempfindungen von Bibelgeschichten. Die Atmosphäre unter Tage ist nur schwer zu beschreiben, sie hat gleichzeitig etwas befreiendes und bedrückendes, zu mächtig sind die Gänge, Höhlen und Bilder, als dass man sich vorstellen könnte, sie stammten wirklich aus Menschenhand.

Unter Tage vergisst man komplett die Zeit, während man staunend von einer Station zur anderen pilgert, bis sie sich dann endlich vor einem aus dem Dunkel erhebt: Die mächtige Felsenkathedrale, 120 Meter lang und über 8500 km² groß. Ein unfassbares Zeugnis menschlicher Schöpfungskraft und der Höhepunkt des Rundgangs, ich musste alles anfassen, um mir klar zu werden, dass ich gerade wirklich wach bin. Worte können diese Erfahrung wirklich kaum beschreiben, deshalb möchte ich jetzt die Fotos sprechen lassen. Nur noch so viel: Wer ein unvergessliches Abenteuer abseits der Pfade sucht, auf denen „normale“ Backpacker gerne wandeln, der wird von Zipaquirá begeistert sein.

Die Eintrittspreise belaufen sich auf 23.000 Peso pro Erwachsenem, das sind etwa 9 Euro. Kinder bis 12 Jahre zahlen 16.000 Peso, etwas mehr als 6 Euro. Die Kathedrale ist jeden Tag von 9-17.30 Uhr geöffnet. Wie du am besten hinkommst, siehst du hier.

Zu weit weg? Versuchs mal in Europa, zum Beispiel mit den Mines de Sal de Bex in der Schweiz, dem Salzbergwerk Berchtesgaden in Südtirol oder in der Salzkirche von Wieliczka in Polen.

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