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Warum mich Lateinamerika und die Spanische Sprache seit 10 Jahren so verzaubern? Ehrlich gesagt konnte ich das selber nie so richtig in Worte fassen – bis ich dieses Bewerbungsschreiben für ein Stipendium aufgesetzt habe…

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich mich Ihnen vorstellen und mich für ein Deutsch-Lateinamerikanisches Journalistenstipendium bewerben.

Durch das Erlernen der Spanischen Sprache erschlossen sich für mich nicht einfach nur Wörter, Phrasen und Redewendungen – es öffnete sich die Tür zu einer anderen Kultur, ja, einer anderen Welt. Keine der anderen Fremdsprachen, die ich beherrsche, hat mich seitdem so in ihren Bann gezogen und für sich eingenommen, denn Spanisch ist für mich nicht nur eine Sprache, es ist ein Lebensgefühl – mein Lebensgefühl.

Ich erinnere mich, als sei es erst gestern gewesen, dass ich damals im März 2006 in mein erstes Abenteuer in Mexiko aufbrach, im Gepäck Hoffnungen, Träume und auch einige Brocken Spanisch. Meine Erwartungen wurden noch bei Weitem übertroffen: Mit den Heimkindern, mit denen ich damals arbeitete, lernte ich schnell und begierig, sog all die neuen Vokabel in mich auf und benutzte sie auf den vielen kleinen Reisen, die ich damals durch das Land machen durfte. Das Wesen der Menschen, ihre Freundlichkeit, Lebensfreude und Herzensgüte, all das erschloss sich mir auch dank meiner wachsenden Sprachkenntnisse. Mein Interesse wuchs in Unermessliche, alles musste erkundet und kommentiert werden, das Spanische mein Schlüssel zu vorher verschlossenen Pforten. Mit diesen fernen Tagen verbindet mich bis heute mein Lerndrang und mein Wunsch, die Welt nicht nur als Reisender zu begreifen, sondern auch als Freund.

Diese Neugier und Leidenschaft habe ich in meinen Beruf als Journalist mitgenommen, ich sehe meine Zunft und mich nicht einfach als Berichterstatter, sondern vielmehr als Botschafter der Kulturen, und Vermittler zwischen den Welten. Seit ich das unfassbare Glück hatte, Teil des zweisprachigen Blogprojekts „OnceAmigos“ der Deutschen Welle zu sein, bin ich dem Kontinent Südamerika und der Spanischen Sprache vollends verfallen.

22 junge Journalisten waren wir, 11 aus Deutschland, die andere Hälfte aus ganz Lateinamerika, und fast zwei Jahre lang berichteten wir über den Fußball und schließlich sogar über die Weltmeisterschaft in Brasilien. Doch nicht nur das, ich bin stolz darauf, heute diese 11 aus Ländern wie Chile und Honduras meine Freunde nennen zu dürfen – all das wäre mir ohne meine Leidenschaft für Fremdsprachen und meine Neugier im Herzen niemals passiert. Ein weiterer Höhepunkt der„OnceAmigos“ sind die Reisen, die ich dank des Projekts machen durfte: Zu Land, zu Wasser und in der Luft habe ich wunderbare Länder bereist und noch wunderbarere Menschen kennengelernt. Ich habe in Venezuela am Strand unter dem Sternhimmel geschlafen und in Peru die Ruinen von Machu Picchu bestaunt, habe in Argentinien mit Einheimischen mein Abendessen selbst geangelt und in Kolumbien in einem Vulkankrater gebadet.

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Von all diesen Erlebnissen habe ich auch als Journalist berichtet, aber diese Reisen haben mir nicht nur geholfen, in meinem Beruf zu wachsen, sondern vielmehr als Mensch. Schon immer habe ich Kultur und all ihre Aspekte in mich aufgesaugt, aber noch keine so begierig und durstig wie die südamerikanische.

Von meiner Bewerbung um ein Stipendium erhoffe ich mir also nicht nur eine weitere „Kerbe“ in meiner Vita, sondern die Chance auf einen neuen, bereichernden Lebensabschnitt. Durch die beigelegten Dokumente werden Sie mich als Journalist kennen lernen, doch ich wollte auch, dass Sie sich ein Bild von mir als Mensch machen. Und ich wollte, dass Sie wissen: Sollten sie sich dafür entscheiden, einen Stipendienplatz an mich zu vergeben, dann schenken Sie mir damit nicht einfach einen weiteren Karriereschritt – sie schenken mir einen weiteren Lebensschritt. Mein Herzenswunsch wäre es, in Chile zu arbeiten. Doch überall, wo man Spanisch spricht, fühle ich mich zuhause.

Mit den besten Grüßen

Robin Hartmann

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