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Sport, Musik, Sonne und entspannte Atmosphäre – das Pangea Festival war die Überraschung des Sommers. Vier Tage abseits der grauen Realität in einem bunten Farbenrausch mit tausenden coolen Leuten. A midsummers nice dream sozusagen – das hat Lust auf mehr gemacht.

Irgendwann sitzt man als weit über 30-Jähriger in einem Bad voller bunter Bälle und ist wieder Kind, wenn einem nämlich genau diese Bälle um die Ohren fliegen, weil sich alle ausgelassen damit bewerfen. Es ist früher Nachmittag, man hat den ganzen Tag am Strand verbracht, ist ein paarmal geschwommen und hat sich von der wunderbaren Spätsommersonne braten lassen. Um einen herum wabert schon eine Vorahnung der Musik, die am Abend tausende Ohren bedröhnen wird, wenn bunte Vögel wie Die Orsons oder Romano über die Bühne hampeln und ihre Show abziehen.

Um einen herum zahllose Menschen, alle entspannt, alle scheinbar glücklich, sie wakeboarden, sie machen Yoga-Kurse, sie werden von riesigen Luftkissen in den kühlen Bodden katapultiert, was nicht selten für ein Raunen oder Begeisterungsstürme im Publikum sorgt. Stand-Up-Paddler wirken hier plötzlich überhaupt nicht mehr peinlich und wie Kinder, die früher zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, sondern gehören eben einfach zum Bild des Festivals, jeder macht hier sein Ding, und lässt alle anderen ihres machen. Leben und leben lassen, wenn die ganze Welt so wäre, hätten wir ein paar gravierende Probleme weniger.

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Bild: SA_©PJValentine

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Bild: Pangea_2016___Johannes_Kollender

All diese Menschen hat das Pangea Festival hierher geführt, auf diesen alten Flugplatz nahe Ribnitz-Damgarten, schon in der Bahn hat man die ersten Gleichgesinnten getroffen, die abseits der schwitzenden und dosenbiervernichtenden Massen auf anderen Festivals einfach mal ein paar Tage entspannt den Sommer genießen wollten. Diese Stimmung setzt sich überall auf dem Festival-Gelände fort, relaxte Menschen schlendern über das Areal, überall ist was los, BMX-Fahrer fliegen auf meterhohen Rampen noch viel meterhöher in die Luft, fröhliche Pärchen nehmen mitten in der Menge vor den Augen neugieriger Zuschauer einen Tanzkurs, ein paar stellen sich sogar auf ein kleines Fußballfeld mit Stangen und spielen Human Kicker.

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Bild: Lars Jacobsen

Abends wird es dann natürlich laut, wenn die allesamt eher mittelmäßigen Acts ihre Show abziehen, aber irgendwie scheint die Musik hier ohnehin nur eine Nebenrolle zu spielen – was zählt, ist das Miteinander. Bis spät in die Nacht hämmern die Bässe auf elektroverseuchte Köpfe ein, trotzdem geht es einfach nur ums Tanzen, Drogen nehmen muss hier offenbar wunderbarerweise niemand so wirklich, um die Atmosphäre zu genießen. Um drei Uhr Nachts dann noch ein nutellaschwerer Crèpe, das Essen auf dem Festival ist ein weiteres Highlight, und weiter gehts.

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Bild: Pangea_2016___Johannes_Kollender

Als am Sonntag dann noch einmal alle am Strand zusammen kommen und wunderbar entspannte Reggea-Musik übers Wasser wabert, fragt man sich spätestens, warum man bei einem so chilligen Festival nicht schon längst mehr von den Irie Vibes zu hören bekommen hat. Auch eine kleine Dancehall- oder Dubstage hätte dem Pangea gut getan – zumindest Hip Hop gab es ja auf die Ohren, aber für ein richtig gutes Festival darf es dann im nächsten Jahr ruhig etwas abwechslungsreicher werden. Die Massen bleiben hoffentlich weiterhin weg, wenn es 2017 wieder heißt: Komm Schatz, wir steigen mal kurz in den Zug und für vier Tage aus der Realität aus, es ist doch wieder Pangea.

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